{"id":19,"date":"2010-01-25T11:03:04","date_gmt":"2010-01-25T10:03:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.stadtfussballgraz.at\/cms\/?page_id=19"},"modified":"2015-01-07T23:08:58","modified_gmt":"2015-01-07T22:08:58","slug":"warum-stadtfussballgraz","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.torpedoritter.at\/cms\/stadtfussballgraz\/warum-stadtfussballgraz\/","title":{"rendered":"warum stadtFUSSBALLgraz?"},"content":{"rendered":"<p>Der <a href=\"http:\/\/www.torpedoritter.at\/\">FC Torpedo Ritter Graz<\/a> ist ein Hobbyfussballverein, wie jeder andere auch: Rund 30 Hobbykicker im Alter zwischen 20 und 40 Jahren treffen sich einmal w\u00f6chentlich um miteinander Sport zu betreiben. Immer wieder, wenn es gerade einmal nicht um Fussball geht, redet man \u00fcber dies und das und ist immer wieder erstaunt dar\u00fcber, dass man \u201asich gefunden\u2019 hat. Wir kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen, haben eher selten beruflich etwas miteinander zu tun, sind in Graz geboren, zum Studieren hierher gekommen, des Berufes wegen. Und diese Begegnung mit Leuten, die man ansonsten, wenn man eben nicht eine Mannschaftssportart aus\u00fcbt, nicht trifft, prolongiert sich bei Spielen gegen andere Teams, bei Turnieren oder bei Freundschaftsspielen, die zwei organisieren, die sich wiederum zuf\u00e4llig kennen. Und dennoch, wir haben \u00fcber die Jahre festgestellt, dass wir trotzdem irgendwie in unserer eigenen Welt bleiben und haben uns auf die Suche nach den anderen Welten unserer Stadt gemacht. Man liest, h\u00f6rt, redet immer wieder \u00fcber Integration und fragt sich oft, was das denn mit einem selbst zu tun haben k\u00f6nnte. Wir wollten unsere eigenen\u00a0 Schritte setzen und einmal anbieten, sich bei \u201auns zu integrieren\u2019. Bei all den schwierigen Fragestellungen zum Thema Integration ist es letztlich immer die Aufforderung an Menschen \u201asich zu integrieren\u2019 ohne viel darauf R\u00fccksicht zu nehmen, dass es erst einmal ein Angebot der Gesellschaft geben muss.<\/p>\n<p>Wir haben auf Eigeninitiative gesetzt und das Jahr 2008, f\u00fcr \u00d6sterreich das Jahr der Fussballeuropameisterschaft im eigenen Land, als Startpunkt genommen. Wir wollten uns neben den Stars, die als gefeierte Helden nach \u00d6sterreich gekommen sind und den Fans, die vor allem der heimischen Wirtschaft herzlich willkommen waren, auch mit jenen auseinandersetzen, die schon da waren, die\u00a0 nicht immer willkommen waren, in den meisten F\u00e4llen genau das Gegenteil. Das Ziel war eine Hobbyfussballeuropameisterschaft mit Grazer Nationalmannschaften, gebildet aus SpielerInnen, die in Graz leben, arbeiten und studieren.<br \/>\n Und dann begann die Arbeit: Wo sie finden? Wie sie kontaktieren? Der erste Anlauf war eine Aussendung \u00fcber den Migrantinnenbeirat mit der Idee die Kulturvereine zu begeistern. Dieser erste Versuch brachte uns zwei Mannschaften:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.stadtfussballgraz.at\/cms\/teams\/griechenland\/\">Griechenland<\/a>, das \u00fcber eine gut organisierte Community in Graz verf\u00fcgt und <a href=\"http:\/\/www.stadtfussballgraz.at\/cms\/teams\/bosnien\/\">Bosnien<\/a>, die sich in der Folge \u00fcber ihre guten Strukturen schnell formierten. Wir waren entt\u00e4uscht und haben andere Wege gesucht, den Kontakt herzustellen, viel pers\u00f6nlichere. Ein Kontakt \u00fcber die Technische Universit\u00e4t f\u00fchrte uns zu \u201a<a href=\"http:\/\/www.stadtfussballgraz.at\/cms\/teams\/italien\/\">Italien<\/a>\u2019. Die S\u00fcdtiroler Hochsch\u00fclerschaft \u00fcbernahm den Part und wir hatten unsere erste politisch nicht ganz unbrisante Situation, die aber genau das repr\u00e4sentierte, was wir mit unseren \u201aNationalmannschaften\u2019 vor hatten. Weitere pers\u00f6nliche Kontakte f\u00fchrten uns zu den Rum\u00e4nen, die sich zuerst \u00fcber eine Privatinitiative organisierten, dann jedoch auch mit ihrem Kulturverein \u2013 von dem viele Spieler gar nicht wussten, dass es ihn gibt \u2013 kooperierten. Der Arbeitskollege unseres \u201a\u00f6sterreichischen\u2019 Nationaltrainers ist <a href=\"http:\/\/www.stadtfussballgraz.at\/cms\/teams\/kosovo\/\">Kosovare <\/a>und schaffte es aus Eigeninitiative heraus, eine Mannschaft zu organisieren. Und dann wurde es ein Selbstl\u00e4ufer. Eine Mannschaft f\u00fcr die <a href=\"http:\/\/www.stadtfussballgraz.at\/cms\/teams\/ejr-mazedonien\/\">EJR Mazedonien<\/a> kam schon \u00fcber Mundpropaganda dazu. Am Ende waren auch noch eine <a href=\"http:\/\/www.stadtfussballgraz.at\/cms\/teams\/deutschland\/\">deutsche<\/a>, eine <a href=\"http:\/\/www.stadtfussballgraz.at\/cms\/teams\/turkei\/\">t\u00fcrkische<\/a> und eine <a href=\"http:\/\/www.stadtfussballgraz.at\/cms\/teams\/slowakei\/\">slowakische<\/a> Mannschaft mit von der Partie. Wobei die \u201aslowakische\u2019 Mannschaft auch eine Roma-Mannschaft h\u00e4tte sein k\u00f6nnen, die Spieler entschieden sich aber f\u00fcr \u201aSlowakei\u2019. Diese Mannschaft kam nach intensiven Kontakten mit dem VinziNest in Graz, in dem die \u201aorganisierten Bettler\u2019 \u00fcbernachten k\u00f6nnen, und der Pfarre St. Andr\u00e4 zustande. Es war viel mehr \u201aArbeit\u2019 gewesen als gedacht: Wir waren in Vierteln, Parks, Lokalen in unserer Stadt, in denen wir zuvor noch nie gewesen waren. Wir waren entsetzt dar\u00fcber, dass manche Stadtteile praktisch schon Ghettos sind, ohne, dass es jemand weiss oder eigentlich ohne dass wir es wissen, weil wir eben nie dort sind, unsere Lebensmittelpunkte ganz woanders liegen.<\/p>\n<p>Auch zu denen, die wir lange begleitet haben und die es dann doch nicht geschafft haben, sich zu qualifizieren, hatten und haben wir intensiven Kontakt. Die kroatische Eigeninitiative ist ebenso an zu wenigen Spielern gescheitert wie eine sehr motivierte <a href=\"http:\/\/www.stadtfussballgraz.at\/cms\/teams\/irland\/\">irische<\/a>. Kontakte zu spanischen und ungarischen Vertretern waren interessant und lie\u00dfen einige Schl\u00fcsse auf die Zust\u00e4nde in Graz zu. Besonders Leid tut es uns heute noch um die <a href=\"http:\/\/www.stadtfussballgraz.at\/cms\/teams\/serbien\/\">serbische<\/a> Mannschaft, die bis fast ganz zuletzt mit von der Partie war und am Ende wegen \u201apolitischer\u2019 Gr\u00fcnde nicht teilnehmen konnte oder wollte: die serbische Community in Graz legte sich quer, da eine\u00a0 kosovarische Mannschaft mitspielte.<\/p>\n<p>Mit solchen politischen Querelen hatten wir nicht gerechnet. Es kam noch viel dicker: Die Mannschaft \u201aMazedonien\u2019 musste schlie\u00dflich einer Namens\u00e4nderung in \u201aEJR Mazedonien\u2019 zustimmen, da in Graz lebende Griechen ihre Kontakte bis in die griechische Botschaft aktiviert hatten, um diese \u201aProvokation\u2019 zu beenden. Wir sind stolz darauf, den Konsens gefunden zu haben, unsere Leute, die Spieler, hatten keine Probleme damit an einem Tisch zu sitzen und auch keine, letztlich bei der stadtEURO gegeneinander zu spielen.<br \/>\n Das waren aber nur die Randerscheinungen, wir hatten regelm\u00e4\u00dfige Treffen mit den Mannschaftsleitern, um die Regeln und das gemeinsame Ziel genau zu definieren. Das war interkultureller Austausch, wie man ihn sich vorstellt. Und jeder brachte sein eigenes Gep\u00e4ck mit, von dem er zumeist nicht einmal wusste, dass er es besa\u00df. Es gab vier Vorbereitungsturniere, bei denen sich die Mannschaften kennenlernen konnten, und zwar innerhalb der Mannschaft und mannschafts\u00fcbergreifend. Bereits zu diesen Spielen, die wir auf einem Schulsportplatz abwickelten, kamen so viele Fans \u2013 Familien, Freunde, Vereinskollegen \u2013 dass wir schlie\u00dflich auch noch \u00c4rger mit den Anrainern bekamen, die f\u00fcr Veranstaltungen dieser Art wenig Verst\u00e4ndnis hatten.<\/p>\n<p>Und dann war da noch die Finanzierung. Es gelang uns, den Steirischen Fussballverband zu gewinnen, der uns die Anlage f\u00fcr das Spielwochenende kostenfrei zur Verf\u00fcgung stellte. Zwei Privatsponsoren (Murauer und die AK) sorgten f\u00fcr verf\u00fcgbare Mittel. Sehr sp\u00e4t kamen dann auch Zusagen von Land Steiermark und Stadt Graz (jeweils Sport und Soziales), sodass wir selbst nichts mehr zuzahlen mussten. Gelungen war eine Kooperation mit dem stadtmuseum Graz, das eine <a href=\"http:\/\/www.stadtfussballgraz.at\/cms\/projekte\/tor-schuss-panik\/\">Fotoausstellung<\/a> von Christian Jungwirth organisierte. Herr Jungwirth selbst machte mit den Mannschaften \u201aKlischee\u2019-Mannschaftsfotos, die unsere Idee, das vorgeblich Trennende so zu \u00fcberzeichnen, das das Gemeinsame \u00fcbrig blieb.<\/p>\n<p>Die Veranstaltung gelang, die Ziele wurden erreicht, die Idee blieb. So wandelte sich die <a href=\"http:\/\/www.stadteurograz2008.at\">stadtEUROPAMEISTERSCHAFTgraz<\/a> zu <a href=\"http:\/\/www.stadtfussballgraz.at\">stadtFUSSBALLgraz<\/a>, zu einer Plattform, die alle nutzen konnten, die freundschaftliche \u201aL\u00e4nderspiele\u2019 organisieren wollte. Die Kontakte zu den Mannschaften haben beinahe alle gehalten und so steht heuer die stadtWM an. Der Kreis an Mannschaften soll erweitert werden. Neben allf\u00e4lligen weiteren europ\u00e4ischen Teams gibt es schon Kontakte zu Brasilien, Nigeria und Ghana. Alle weiteren sind willkommen. Die Finanzierung sieht diesmal nicht so rosig aus, es ist eben nicht das Jahr der FussballEURO in \u00d6sterreich, aber wir gehen davon aus, dass wir das wieder irgendwie schaffen. Die Stadt Graz hat bereits zugestimmt, uns bei unserer gr\u00f6\u00dften Kostenposition, dem Fussballplatz f\u00fcr zwei Tage, zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.stadtfussballgraz.at\">stadtFUSSBALLgraz<\/a> ist aber noch ein bisschen mehr: 2009 haben wir unter dem Projekttitel <a href=\"http:\/\/www.torpedoritter.at\/haefnkick\/\">H\u00e4fnkick<\/a> in der Justizanstalt Karlau gegen eine Allstars-Mannschaft der Insassen gespielt. Ein Sozialkontakt, wie man ihn vielleicht nur \u00fcber Fussball erreichen kann. Es ist uns gelungen, unseren Weg in Sachen Integration, interkulturellem Austausch, oder wie immer man es nennen will, zu finden. Wir haben viele mitgenommen und die erweiterte Gruppe z\u00e4hlt mittlerweile weit \u00fcber 300 Personen \u2013 ohne Fans.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der FC Torpedo Ritter Graz ist ein Hobbyfussballverein, wie jeder andere auch: Rund 30 Hobbykicker im Alter zwischen 20 und 40 Jahren treffen sich einmal w\u00f6chentlich um miteinander Sport zu betreiben. 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